»Jedes 7. Jahr ist ein Jahr des Mondes. Besonders Menschen, deren Dasein hauptsächlich von ihren Gefühlen bestimmt ist, haben in diesen Mondjahren verstärkt unter Depressionen zu leiden, was gleichermaßen, nur etwas weniger ausgeprägt, auch für Jahre mit 13 Neumonden gilt. Und wenn ein Mondjahr gleichzeitig ein Jahr mit 13 Neumonden ist, kommt es oft zu unabwendbaren persönlichen Katastrophen. Im 20. Jahrhundert sind es sechs Jahre, die von dieser gefährlichen Konstellation bestimmt sind.« Rainer Werner Fassbinder erzählt in »In einem Jahr mit 13 Monden« eine Geschichte über Identität und Verlust, die anrührt und die soziale Kälte in unserem Land schonungslos offenlegt.
Die Transsexuelle Elvira Weishaupt wird sich umbringen, sie ist am Ende und sieht keine Zukunft mehr. Ihr Leben war eine Achterbahnfahrt, gleichermaßen eine Suche nach sich selbst und eine Flucht vor den Konsequenzen ihrer Entscheidungen. Früher hieß sie Erwin und lebte ein bürgerliches Leben mit Job, Frau und Kind. Aber Glück konnte sie keins finden – weil ihr Leben nicht zu ihr gehörte? Weil ihre Umwelt nicht einmal versuchte, zu entdecken, was sich hinter ihrer Fassade verbarg? Als sie sich in einen Mann verliebt, trifft sie die Entscheidung, einmal alles auf eine Karte zu setzen. Sie verlässt ihre Familie und lässt sich in Casablanca auch körperlich zur Frau machen …
»In einem Jahr mit 13 Monden« verfolgt die letzten fünf Tage von Elviras Leben. Noch einmal begegnet sie den Gespenstern ihrer Vergangenheit, noch einmal stemmt sie sich gegen die unaufhaltsam scheinende Fahrt in den bodenlosen Abgrund – umsonst. Rainer Werner Fassbinders Film über den Verlust menschlicher Identität entstand 1978 als Reaktion auf den Selbstmord seines Freundes Armin Meier – es ist vielleicht sein persönlichster Film.
Regie Alice Buddeberg
Bühne Cora Saller
Musik Stefan Paul Goetsch
Kostüm Nele Dörschner